Anders

Innovationen, Widerstände, Übergänge

Echtes Netz ist mehr als nur #Drosselkom doof finden

So, ich sitze  im Zug auf dem Weg zur #drosselkom Mahnwache/Demo vor der Telekom-Aktionärversammlung in Köln. Zeit, mal ein paar Dinge klarzuziehen. René Obermann, schmieren sie sich ihre #Drosselkom-Phantasien in die Haare. Dies war ihr letzter Streich – ihre Uhr läuft ab, das Web wird ihnen nicht weiter anvertraut.

Merkel und managed services

Die aktuellen Pläne der Telekom werden die digitale Kluft in Deutschland vergrößern. Nach dem völligen Versagen der Telekom bei der Verfügbarkeit breitbandiger Internetzugänge in Deutschland während den letzten zehn Jahren mit den Standards führender Nationen mitzuhalten, wird nun aufgrund reiner Profitinteressen ein weiterer Keil in die Bevölkerung getrieben.

Die Anbieter der „dumb pipes“ wissen, dass sie im Sinne ihres eigenen privatwirtschaftlichen Überlebens sowohl am Geschäft der Inhalteanbieter verdienen als auch ihr Basisangebot künstlich re-verknappen müssen. Da die schlichte Abschaffung der etablierten datenmengen-unabhängigen Tarife (Flatrates) ziemlich schlecht aussehen würde, hilft sich die Telekom mit der Erfindung eines Propaganda-Begriffes: den „managed services“. – Doch sie haben den Bogen überspannt.

Ähnlich wie sie bereits Millionen Deutsche abzocken, indem sie ihnen mit dem Lügenpaket „T-Entertain“ ein und dieselbe Leitung 3x verkaufen, weil die meisten Bürger es kulturell noch gewöhnt sind für Telefon, Fernsehen und Internet zu zahlen, wird mit dem absurden Marketingbegriff „managed services“ nun so getan, als würde uns die Telekom etwas Gutes tun, wenn sie uns noch mehr Geld für noch mehr Ungerechtigkeit und schlechte Arbeit aus der Tasche zieht.

Ich habe mich im Artikel „Warum die Telekom auf der IFA Gleitcreme verteilt“ bereits im August letzten Jahres ausführlich zu den verschlagenen Methoden der Telekom geäußert. Wer verstehen will, wie die horizontale und vertikale Verletzung der Netzneutralität funktioniert, kann sich dort schlau machen. Ich will stattdessen ausführen, was gesellschaftlich und politisch getan werden muss, damit #drosselkom nicht nur eine kleine Demo-Episode bleibt, sondern wir uns das neutrale und freie Internet von den innovationsfaulen Ausbeutern bei Telekom und Konsorten zurückholen.

Die Manager der deutschen Telekommunikationsunternehmen und ihre politischen Freunde haben versagt. Es wird Zeit ihnen die Aufgabe, dieses Land mit einer zukunftsfähigen digitalen Infrastruktur zu versehen, aus den Händen zu nehmen. Der Branchenexperte Roman Friedrich findet im Gespräch mit dem Blogger Gunnar Sohn klare Worte:

„In vielen asiatischen Ländern investiert der Staat und erlässt sogar verfassungsrechtliche Grundlagen für die Notwendigkeit eines schnellen Internets.“ Auch wirtschaftspolitisch sollte die öffentliche Hand ihrer Verantwortung nachkommen, denn es gibt eine positive Korrelation zwischen Digitalisierung, Netzausbau und Arbeitsplätzen. Wenn man diese Auswirkungen sieht, muss sich der Staat die Frage stellen, ob er sich nicht stärker engagieren sollte.“

Es ist eine Schande, wenn die Politik beim Universaldienst ferne Ziele nach 5 Mbit/sec als größtmöglichen Fortschritt verkaufen kann. Der Breitbandatlas, auf dessen dreist-falschen 1Mbit/sec-Angaben jahrelang politische Entscheidungen getroffen wurden, ist eine Farce. Die feiste Lobpreisung von LTE ist ein Tritt ins Gesicht, den gerade diese Funkstrecken werden nicht von der Bundesnetzagentur geregelt und eh nur mit einer Drosselung nach wenigen GB verkauft. – Die gesamte Breitband-Ausbau-Lüge bricht in sich zusammen, wenn wir jetzt kräftig, gemeinsam und europaweit an dem Hölzchen Netzneutralität ziehen.

Es braucht einen kraftvollen Masterplan für die Vernetzung von Gesellschaft und Wirtschaft, wie er auch von den Netzpiloten gefordert wird. Sascha Lobo stellte kürzlich fest, dass „im Land, dessen großer Buchbestseller 2012 ‚Digitale Demenz’ hieß, schmerzhaft das Klima Pro Vernetzung fehlt, um eine geistig-moralische Netzwende hinzulegen“

Deswegen nochmal zum Eintätowieren den Fakt: Das Internet geht nicht wieder weg. Jetzt heisst es aufholen.

Es geht im Kern nicht darum jetzt möglichst mitleidslos mit der Telekom umzugehen, auch wenn sie es wegen den jahrelangen Lügen und der unfassbaren Intransparenz verdient hätte, einen deutlichen Schuß vor den Bug zu bekommen.

Der Protest gegen die #Drosselkom ist ein Auftakt, das ganze Thema breitenwirksam auf die richtigen Gleise zu setzen. Deutschland braucht den Glasfaserausbau. Und zwar gestern. Statt Abwärtsspirale brauchen wir eine Entwicklung, die deutlich nach oben zeigt. Die Zeit der kleinen politischen Kompromisse ist vorbei, denn sie bedeuten in letzter Konsequenz, dass wir weiterhin mit solchen Albernheiten wie #Drosselkom unsere Zeit verschwenden müssten.

Deswegen geht es heute in Köln auf die Strasse. Deswegen ist der Kampf für die Netzneutralität der Kern einer viel größeren Forderung -> Endlich den Schalter im Kopf umzulegen, damit es in diesem Land endlich mal einen brauchbaren breiten digitalen Fortschritt in Wirtschaft und Gesellschaft gibt. Auf der digitalen Bremse stehen war gestern.

plakat_05-620x438

——————————————–

Wie die horizontale und vertikale Verletzung der Netzneutralität funktioniert und der Verbraucher dabei auch noch denkt, es würde ihm etwas Gutes getan. <- Mein Artikel zum exemplarischen Fall „Telekom & Spotify“

Advertisements

4 Kommentare zu “Echtes Netz ist mehr als nur #Drosselkom doof finden

  1. gsohn
    16/05/2013

    Reblogged this on Ich sag mal und kommentierte:
    Auf zur Demo nach Kölle. Man sieht und hört sich zur Telekom-Aktionärsversammlung. Bin so gegen 15 Uhr in Köln/Deutz.

  2. paparatzi
    16/05/2013

    Tolle Sache!

  3. ansch11
    16/05/2013

    Reblogged this on SAFE-ADDRESS.

  4. Pingback: Results for week beginning 2013-05-13 | Iron Blogger Berlin

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16/05/2013 von in Übergänge, Widerstände, Wirtschaft und getaggt mit , .

Twitter

Fehler: Twitter hat nicht geantwortet. Bitte warte einige Minuten und aktualisiere dann diese Seite.

re.publica 2013

Die re:publica startet:

re:publica 20136. Mai 2013
%d Bloggern gefällt das: